Rechnungen Silcherweg
die Bau-Software aus unserem eigenen Hausbau

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Wir bauen unser Haus nicht allein, sondern gemeinsam mit zwei weiteren Familien: drei Häuser, eine Baustelle, ein gemeinsamer Keller, viele geteilte Gewerke. Was nach einem netten Gemeinschaftsprojekt klingt, ist in der Praxis vor allem eins: ein endloser Strom an Rechnungen, die irgendwie fair auf alle drei Parteien aufgeteilt werden müssen. Erdarbeiten, Rohbau, Dachstuhl, Fenster, Estrich, Elektro, Wärmepumpe. Jede Woche flattert etwas Neues herein.
Anfangs haben wir das mit einer Tabelle gelöst. Sehr kurz. Denn eine Tabelle beantwortet keine der Fragen, die im echten Bau-Alltag wirklich wichtig sind: Wer hat diese Rechnung schon bezahlt? Wer schuldet wem noch was? Läuft für die Estrich-Rechnung nicht bald die Skonto-Frist ab? Also habe ich getan, was man als Softwareentwickler eben tut, wenn einen ein Problem lange genug nervt: Ich habe mir mein eigenes Werkzeug gebaut. Inzwischen ist daraus eine erstaunlich ausgereifte kleine Anwendung geworden, und genau die möchte ich euch hier zeigen.
Bei einer Baugemeinschaft läuft fast nichts sauber getrennt. Der Bagger, der die Baugrube aushebt, arbeitet für alle drei Häuser gleichzeitig. Der Rohbauer stellt eine Abschlagsrechnung über den kompletten Rohbau, nicht drei einzelne. Und der Keller, den sich zwei Parteien anders teilen als das Erdgeschoss, hat wieder einen ganz eigenen Verteilungsschlüssel. Am Ende steht immer dieselbe Frage: Diese eine Rechnung über 48.900 Euro, wie wird die jetzt genau auf Haus A, Haus B und Haus C aufgeteilt, und wer überweist was an wen?
Dazu kommt der Faktor Mensch. Niemand hat Lust, ständig hinter dem Geld herzutelefonieren. Trotzdem muss am Ende jeder Cent stimmen, sonst gibt es genau die Diskussionen, die man in einer über Jahre laufenden Baugemeinschaft am allerwenigsten gebrauchen kann. Was mir fehlte, war ein Ort, an dem jede Rechnung automatisch fair aufgeteilt wird, an dem jeder sieht, was er noch offen hat, und an dem keine Skonto-Frist mehr verloren geht.
Herausgekommen ist eine Web-App, die wir intern einfach „Rechnungen Silcherweg" nennen, benannt nach unserer Straße. Technisch ist es eine moderne Single-Page-Anwendung auf Basis von React und Supabase, die auf dem Handy genauso gut funktioniert wie am Laptop, denn die meisten Rechnungen landen sowieso zuerst als Foto auf dem Smartphone. Angemeldet wird sich nicht mit persönlichen Accounts, sondern pro Haus mit einem gemeinsamen Familien-Passwort. Das senkt die Hürde: Jede Familie hat einen Zugang, alle sehen denselben Stand.
Aus dem ursprünglichen „ich will nur Rechnungen aufteilen" ist über die Monate ein kleines Cockpit für das ganze Bauprojekt geworden. Nachfolgend gehe ich die wichtigsten Bereiche durch, so wie sie heute im Einsatz sind. Alle Screenshots stammen aus einer lokalen Kopie mit frei erfundenen, aber realitätsnahen Beispieldaten.
Das Herzstück nimmt eine Rechnung entgegen und macht daraus konkrete, nachverfolgbare Zahlungsaufgaben pro Haus. Man legt einen Betrag und einen Verteilungsschlüssel fest, etwa „Gleich" (jeweils ein Drittel) oder unseren speziellen „Keller"-Schlüssel, und die App teilt den Betrag centgenau auf. Es geht kein Cent verloren: Gerechnet wird in ganzen Cent, und ein eventuell übrig bleibender Rest-Cent wird fair verteilt, sodass die Summe der Anteile exakt dem Rechnungsbetrag entspricht.
Für die eigentliche Zahlung gibt es zwei Modi, weil im Bau beide Fälle vorkommen. Bei größeren Beträgen streckt eine Partei die komplette Rechnung vor und die anderen beiden erstatten ihr anschließend ihren Anteil. Bei kleinen Beträgen überweist stattdessen jede Partei ihren Anteil direkt an die Handwerksfirma. Aus jeder Rechnung entstehen so automatisch die passenden Aufgaben: „Haus C zahlt den Gesamtbetrag", „Haus A erstattet Haus C 11.025 Euro" und so weiter. In der Übersicht sieht jede Familie auf einen Blick, was noch offen ist, und kann eigene Zahlungen abhaken.
In der Detailansicht einer Rechnung wird dann jede Aufgabe einzeln aufgelistet: mit Prozentsatz, Betrag und einem grünen Häkchen, sobald bezahlt wurde. Ist ein Skonto hinterlegt, rechnet die App automatisch mit dem reduzierten Betrag und blendet den ursprünglichen Betrag durchgestrichen ein. Läuft die Skonto-Frist in den nächsten Tagen ab, gibt es einen deutlich roten Hinweis, damit uns nie wieder geschenktes Geld durch die Lappen geht.
Der Teil, auf den ich fast ein bisschen stolz bin: Man muss eine Rechnung nicht mehr abtippen. Lädt man das PDF hoch oder fotografiert es direkt mit dem eingebauten Dokumenten-Scanner, liest die App die zahlungsrelevanten Daten automatisch aus, einmal klassisch per Texterkennung und Mustererkennung, und zusätzlich mit einem KI-Modell für die kniffligen Felder. Herausgezogen werden Betrag, IBAN, Rechnungsnummer und sogar der Skonto-Betrag samt Frist. Steht im Dokument nur der Skonto-Prozentsatz, rechnet die KI den Betrag selbst aus. Alles landet vorausgefüllt im Formular, man muss es nur noch kurz prüfen.
Für die Überweisung selbst erzeugt die App zu jeder Bankverbindung einen EPC-QR-Code, also den GiroCode, den man aus vielen Papierrechnungen kennt. Statt IBAN und Betrag in der Banking-App abzutippen, scannt man den Code, und der eigene offene Anteil steht mitsamt Verwendungszweck schon drin. Gerade auf dem Handy ist das ein echter Zeitgewinn und schließt Zahlendreher bei der IBAN aus.
Sobald man so ein Tool täglich benutzt, wächst es. Aus der reinen Rechnungsaufteilung ist mit der Zeit ein kompletter Werkzeugkasten für das gemeinsame Bauen geworden. Vier Bereiche haben sich als besonders nützlich herausgestellt.
Arbeitszeit & Eigenleistung. In einer Baugemeinschaft leistet jeder unterschiedlich viel: Angebote einholen, Bemusterungen, Baustellenbegehungen, Förderanträge. Damit das nicht in gefühlten Ungerechtigkeiten endet, kann jede Person ihre Stunden erfassen, optional entlang der HOAI-Leistungsphasen (LPH 1 bis 9). Die App summiert automatisch den Gesamtaufwand, den Aufwand je Haus und je Phase, als faire Grundlage für den internen Ausgleich der Eigenleistung.
Mängel & Verzug. Baumängel und Verzögerungen sind bares Geld und ein juristisches Minenfeld. Deshalb kann man jeden Mangel im Moment des Auftretens sauber dokumentieren: mit Datum, verantwortlicher Firma, Verzugstagen, beziffertem Schaden und Beweisfotos. Die Übersicht summiert Gesamtverzug und Gesamtschaden über alle Mängel. Das ist eine belastbare Grundlage für Gewährleistungs- und Verzugsansprüche, statt Monate später auf verstreute Fotos und Erinnerungen angewiesen zu sein.
Protokolle. Jede Baubesprechung wird als Protokoll festgehalten: mit Datum, Teilnehmern und den besprochenen Punkten. Praktisch dabei ist, dass sich Teilnehmer frei mischen lassen, eigene Leute aus allen drei Häusern genauso wie Firmen oder einzelne Ansprechpartner aus dem Adressbuch. Und wenn der Bauträger oder eine Firma das Protokoll nachlesen soll, erzeugt man einfach einen öffentlichen Link. Der funktioniert ohne Login, zeigt aber nur das Protokoll selbst, unsere internen Kommentare bleiben privat.
Angebote, Verträge & Adressbuch. Angebote holt man beim Bauen gefühlt im Dutzend ein und verhandelt sie nach. Damit man nie den Überblick verliert, welche Version die aktuelle ist, legt die App jedes Angebot mit einer Versionshistorie ab: wer wann welchen Betrag angeboten hat, inklusive Datei. Die Angebotssumme wird automatisch aus den jeweils aktuellen Versionen gebildet. Dazu gibt es ein gemeinsames Adressbuch aller Handwerker mit Ansprechpartnern und klickbaren Telefon- und Mail-Links, dieselbe Firma taucht dann automatisch bei Rechnungen, Mängeln und Protokollen wieder auf.
Unter der Haube ist das Ganze bewusst schlank gehalten: React 19 mit TypeScript und Vite im Frontend, Tailwind fürs Design, Supabase (Postgres) als Backend. Der Login läuft nicht über klassische Nutzerkonten, sondern pro Baupartei mit einem gemeinsamen Passwort, das serverseitig geprüft wird. Weil alles mobil-optimiert ist, liegt die Bedienung auf dem Handy genauso gut in der Hand wie am Rechner, mit einer festen Tab-Leiste unten, wie man es von nativen Apps kennt.
Zwei Kleinigkeiten benutze ich überraschend oft: Die Übersicht der offenen Rechnungen lässt sich als fertiges Bild in den Familien-Chat teilen, eine kleine Matrix mit einem Haken oder Kreuz je Haus. Und es gibt einen ZIP-Export der wichtigsten Daten und Belege, damit wir für unser gemeinsames Bauprojekt jederzeit ein Backup außerhalb der App in der Hand haben.
Was als schnelle Notlösung gegen die Tabellen-Hölle begann, ist inzwischen das zentrale Werkzeug, mit dem wir unser gemeinsames Bauprojekt steuern. Wir tippen keine Rechnungen mehr ab, streiten nicht über Cent-Beträge, verpassen keine Skonto-Fristen und haben Mängel, Protokolle und Angebote sauber an einem Ort. Es ist ehrlicherweise viel runder geworden, als ich am Anfang gedacht hätte.
Und genau da kam mir ein Gedanke: Das Problem, das wir hier gelöst haben, hat doch jede Baugemeinschaft.
Wenn ihr das hier lest und gerade selbst mit mehreren Parteien baut oder es plant, dann kennt ihr das Chaos vermutlich nur zu gut. Ich würde diese Software wirklich gerne auch anderen Hausbaugemeinschaften zur Verfügung stellen. Sie ist im täglichen Einsatz erprobt, läuft stabil und deckt genau die Dinge ab, die beim gemeinsamen Bauen immer wieder anfallen.
Habt ihr Interesse, das für eure eigene Baugemeinschaft zu nutzen? Oder Fragen, ob euer spezieller Verteilungsschlüssel abbildbar ist? Dann schreibt mir einfach, ich freue mich riesig über jede Nachricht dazu. Erzählt mir kurz, wie ihr baut und mit wie vielen Parteien, dann finden wir gemeinsam heraus, ob das Werkzeug auch für euch passt.