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Aus dem Leben eines Bildschirmarbyters

Vorwort

Die Socialbit GmbH hat am 23. Dezember 2016 Insolvenz angemeldet. Das hat natürlich Folgesituationen herbeigeführt. Manche davon waren zu erwarten, andere eher verstörend. Anbei kommentarlos eine E-Mail aus dem Jahre 2016, die ich einem Kunden schrieb, nachdem er mit zwei Freunden unangemeldet in unserem Büro auftauchte und ein äußerst mafiöses Verhalten an den Tag gelegt hatte.

Hallo <Name entfernt>, ich wollte mich an dieser Stelle nochmals über deinen spontanen Besuch gestern bedanken. Das hat mich noch den ganzen Tag beschäftigt und ich habe lange überlegt, ob ich dir das hier schreiben soll.

Aber ich bin zum Entschluss gekommen, es zu tun, und zwar in allen Details. Ich kann es aufgrund der Situation durchaus verstehen, dass man als von unserer Insolvenz betroffener Kunde unangekündigt zu einer Firma fährt um etwas zu klären - auch weil wir eben aufgrund der Feiertage und der Umstände schwer telefonisch zu erreichen waren. Das Verhalten, dass ihr aber an den Tag gelegt habt, lasse ich so nicht auf mir sitzen.

Die Sache geht damit los, dass es für euch anscheinend vollkommen in Ordnung war, schon fast mafiös in unserem Büro herumzulaufen, Dinge anzufassen oder Räume zu betreten. Dass nur ein Mitarbeiter da war, den ihr auch nicht kanntet, war wohl kein Problem.

Dass ihr euch dann aber einfach an unserem Getränkekühlschrank bedient und meinen Mitarbeiter dann, als er euch auf die Tatsache, dass eine Flasche einen Euro kostet, hinwies, mit dem Wortlaut: " <Mitarbeitername entfernt> schuldet uns das sowieso" abgefrühstückt habt, überschreitet schon definitiv meine Toleranzgrenze.

Auch finde ich es äußerst grenzwertig, meine Mitarbeiter zur Herausgabe von privaten Adressen und Telefonnummern zu nötigen. Versetze dich bitte mal in die Lage von <Mitarbeitername entfernt> - er war von der Situation überfordert und wusste gar nicht, wie er reagieren muss um der Lage gerecht zu werden.

Unser Gespräch zu viert im Meeting-Raum hat für mich auch historischen Charakter. Neben der Tatsache, dass du mich beschuldigt hast, die von dir bar bezahlten <Betrag entfernt>€ unterschlagen und die Insolvenz der Socialbit GmbH bewusst herbeigeführt zu haben um dieses Geld zu stehlen, sind mehrmals Sätze wie "ich will nicht nochmals vor deiner Türe stehen" gefallen. Ich hatte auch ständig das Gefühl, dass euer Ziel primär eher der Versuch war, Angst zu stiften statt eine Lösung herbeizuführen.

Für die Einzahlung des Geldes haben wir übrigens Belege.

Außerdem musste ich dir mehrmals unterbreiten, dass du "jetzt", nicht einfach Inventar im Wert von <Betrag entfernt>€ mitnehmen kannst. Das hast du ständig vorgeschlagen, da dir meine Antwort, dass ich Zeit benötige um mich in dein Projekt einzulesen (um dir sagen zu können wie der konkrete Stand ist, wie es weiter geht und wann das Projekt fertig ist) und dir auch keine <Betrag entfernt>€ in Bar zahlen kann, nicht genügt hat. Dein Kollege hat auf meinen Hinweis, dass unser Inventar nicht in mit dem von euch zur Anreise verwendeten Fahrzeug Platz finden wird dann noch hilfreich ergänzt, dass die Organisation eines LKW eurerseits kein Problem wäre.

Als unser Gespräch dann beendet und eigentlich alles soweit geklärt war (Essenz: ich arbeite mich in den Stand des Projektes ein und überlege, wie wir das Projekt noch zum Abschluss bringen können; die von euch kommunizierte Deadline war "Ende März") und ich euch durch die Räume der Toolbox zur Türe begleitete, fiel nochmals ein Spruch über die Mitnahme des Inventars mit ganz konkreten Fragen zu den herumstehenden 3D-Druckern. Ich erklärte dir dann, dass das Inventar der Toolbox Bodensee e.V. mit dem Eigentum der Socialbit GmbH nichts zu tun hat. Du hast daraufhin mit "Das habt ihr ja gut gemacht" geantwortet, und zwar in einem Ton, dass ganz klar war, dass du mir hier wieder vorwirfst, dein Geld unterschlagen zu haben.

Aus diesem Grund werde ich definitiv abwarten, bis uns ein offizieller Insolvenzverwalter zugewiesen wurde bevor ich Entwickler-Ressourcen an die Umsetzung deines Projekts setze. Vorarbeit in Form davon, dass ich mir wie besprochen einen Überblick verschaffe, werde ich leisten. Bezüglich allem Weiterem sind wir ja ohnehin schon im Gespräch.

Danke & viele Grüße,
Thomas

Nachtrag

Der Vollständigkeit halber möchte ich natürlich auch notieren, dass der betroffene Kunde nach Erhalt dieser E-Mail direkt bei mir angerufen und sich vollumfänglich entschuldigt hat. Damit war das Thema für mich erledigt. Das Projekt wurde nicht mehr erfolgreich zum Abschluss gebracht.

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