Frame Share
nur einen Teil des Bildschirms teilen

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Es gibt diese kleinen Alltagsprobleme, die einen über Jahre begleiten, ohne dass man sie je wirklich angeht. Meins war: In Videocalls und Screen-Recordings wollte ich immer nur einen bestimmten Ausschnitt meines Bildschirms teilen. Nicht den ganzen Monitor mit allen Mails, Notifications und der URL, die offen im Browser-Tab steht. Auch nicht nur ein einzelnes Fenster, das macOS zwar teilen kann, das aber bei jedem Fenstertausch zickt. Sondern einfach einen frei wählbaren Bereich. Ein Rechteck. Mehr nicht.
Die kurze Geschichte, wie aus diesem Wunsch eine fertige App im Mac App Store wurde, ist erstaunlich albern. Die längere erzähle ich euch jetzt.
Wer regelmäßig Bildschirminhalte teilt, kennt das Dilemma. Teilst du den ganzen Monitor, sieht das Gegenüber jede Benachrichtigung, jede offene Anwendung, jeden privaten Tab. Teilst du nur ein einzelnes Fenster, bist du eingesperrt: Sobald du etwas daneben zeigen willst, eine zweite App, ein Terminal, ein PDF, musst du umständlich umschalten. Was mir die ganze Zeit fehlte, war der Mittelweg: ein Rahmen, den ich irgendwo auf den Bildschirm lege, in Größe und Position frei anpasse und der dann genau diesen Bereich überträgt. Alles innerhalb des Rahmens ist sichtbar, alles außerhalb bleibt meine Privatsache.
Klingt banal. Ist es im Grunde auch. Aber so richtig schön gelöst hatte das für mich keine der Standard-Bordmittel.
Ich bin grundsätzlich jemand, der für gute Software gerne Geld bezahlt. Also habe ich mich auf die Suche gemacht und tatsächlich zwei Tools gefunden, die ungefähr das konnten, was ich wollte: RegionShare und ZoneShare. Bei ZoneShare wollte ich dann zuschlagen. Kreditkarte gezückt, Häkchen gesetzt, auf „Kaufen" geklickt, und nichts passierte. Der Button war einfach tot. Kein Warenkorb, keine Fehlermeldung, gar nichts. Ich habe alles probiert: anderer Browser, Cache geleert, später nochmal.
Da sitzt man dann. Will jemandem aktiv Geld geben, und die Software lässt einen nicht. Es gibt diesen Moment, in dem aus Frust eine Trotzreaktion wird, und genau der war hier erreicht. Ich dachte mir: „Wenn ihr mein Geld nicht wollt, baue ich mir das Ding eben selbst."
Ich entwickle seit Jahren Software, aber native macOS-Apps in Swift gehören ehrlicherweise nicht zu meinem täglichen Brot. Genau hier wurde es spannend: Ich habe das Projekt zusammen mit KI aufgesetzt und Stück für Stück eine vollständige, native macOS-Anwendung entstehen lassen. Über die Lulububu Software GmbH ist daraus ein richtiges, kleines Produkt geworden, inklusive Jira-Projekt, sauberer Versionierung und einer Veröffentlichung im Mac App Store.
Das Erstaunliche war nicht, dass es ging, sondern wie schnell. Vom „ich will nur ein Rechteck teilen" zur lauffähigen App mit Monitorauswahl, Statusbar-Integration und ordentlichem Berechtigungs-Workflow war es ein überraschend kurzer Weg. Die KI hat mir die Swift-Eigenheiten abgenommen, ich habe die Architektur und die Produktentscheidungen vorgegeben. Eine ziemlich angenehme Arbeitsteilung.
Das Prinzip ist bewusst simpel gehalten, weil genau das der Punkt war:
Ihr legt einen Rahmen auf einen frei wählbaren Monitor, zieht ihn auf die gewünschte Größe und schiebt ihn an die richtige Stelle. An den Ecken sitzen Griffe, mit denen sich das Ganze bequem anfassen und verschieben lässt. Ein Klick in der Menüleiste auf „Sharing starten", und ab sofort wird nur der Bereich hinter dem Rahmen als eigene Quelle übertragen. In jeder App, die eine Bildschirmquelle aufnehmen kann: Zoom, Teams, OBS, was auch immer. Alles außerhalb des Rahmens bleibt unsichtbar.
Unter der Haube setzt Frame Share konsequent auf native macOS-Frameworks. Die eigentliche Aufnahme läuft über die modernen Screen-Capture-APIs von Apple, die Statusbar-Integration und die Fensterverwaltung sind ebenfalls nativ umgesetzt. Das hält die App schlank und sorgt dafür, dass sie sich anfühlt wie ein echter Teil des Systems und nicht wie ein verkleidetes Web-Fenster.
Damit eine App den Bildschirm aufnehmen darf, braucht sie unter macOS die entsprechende Berechtigung. Statt euch einfach mit einem kryptischen System-Dialog allein zu lassen, führt Frame Share euch durch einen kleinen Workflow: Es erklärt, warum die Berechtigung nötig ist, und bringt euch an die richtige Stelle in den Systemeinstellungen. Privatsphäre war von Anfang an der Kern der Idee, deshalb sollte auch der Einrichtungsweg ehrlich und nachvollziehbar sein.
Wie das so ist, wenn man ein Tool selbst baut und es plötzlich täglich benutzt: Man bekommt Ideen. Aus dem minimalen Rechteck wurden mit der Zeit ein paar Annehmlichkeiten, die ich nicht mehr missen möchte:
Ein Zeichenmodus, mit dem ich direkt auf dem geteilten Bild markieren kann, etwa um in einer Präsentation auf etwas zu zeigen. Ein Schalter, der den Rahmen beim Start automatisch einblendet. Frei belegbare Tastenkürzel, um Rahmen und Aufnahme blitzschnell ein- und auszuschalten. Und eine Einstellung, die Verschieben und Vergrößern während einer laufenden Übertragung sperrt, damit man nicht versehentlich den falschen Bereich zeigt. Lauter Kleinigkeiten, die genau aus dem echten Benutzen entstanden sind.
Aus dem kaputten Kaufen-Button ist also tatsächlich ein veröffentlichtes Produkt geworden. Frame Share gibt es jetzt offiziell im Mac App Store: Frame Share - Region Sharing. Wenn ihr das gleiche Problem habt wie ich damals, probiert es aus. Und falls euch etwas fehlt: Ich benutze die App selbst jeden Tag, neue Ideen landen also ziemlich zuverlässig auf der Liste.
Die Moral von der Geschichte? Manchmal ist der schnellste Weg zur passenden Software nicht der Kaufen-Button, sondern ein Wochenende, eine gute Idee und ein KI-Modell, das die langweiligen Teile übernimmt.