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Aus dem Leben eines Bildschirmarbyters

Rundumsicht für sichereres Fahren

Seit ich mein E-Bike habe, das ich im Artikel Neun Wochen E-Bike: Ein Erfahrungsbericht, schon etwas genauer beschrieben und auch in den Artikeln E-Bike-Tuning: Maximalgeschwindigkeit erhöhen und eBike im Winter: Wie bin ich ausgerüstet? weiter behandelt habe, vermisse ich eine bessere Umsicht im Straßenverkehr. Wenn ich wissen möchte, was hinter mir vor sich geht, muss ich mich umdrehen. In dieser Zeit gucke ich natürlich nicht nach vorne und durch die Drehung kommt es oft vor, dass ich nicht mehr weiter geradeaus fahre sondern leicht in die Richtung, in die ich gucke, lenke. Schon oft bin ich dabei fast in einen Graben gefahren.

Da ich mir aber keine großen und vermeintlich hässlichen Spiegel an mein Fahrrad schrauben wollte, kam mir die Idee, eine Kamera mit LCD-Display zu verwenden. Nach einiger Recherche bin ich auf die KOBWA Biker-Kamera, eine Dashcam für Motorräder, gestoßen. Da diese Kamera mit 12 Volt betrieben wird und ich nicht den Akku meines E-Bike anzapfen wollte, habe ich mir zusätzlich eine Powerbank zur Auto-Starthilfe mit 21000mAh und einem entsprechenden 12-Volt-Ausgang bestellt.

Als die Powerbank und die Dashcam dann angekommen waren, habe ich leider festgestellt, dass der Aufbau zwar tadellos funktioniert, die Powerbank sich aber, obwohl sie damit beworben wird, auch Smartphones aufladen zu können, nach etwa 20 Sekunden wieder automatisch abschaltet. Vermutlich liefert die Powerbank nur ununterbrochen Strom, wenn ein Gerät über USB angeschlossen ist.

Ich habe nach weiterer Recherche dann eine andere Powerbank mit 50000mAh bestellt, die neben mehr als der doppelten Batterieleistung hoffentlich auch am 12-Volt-Port dauerhaft Strom liefert. Darüber hinaus habe ich dann direkt noch zwei abgewinkelte Micro-USB-Kabel bestellt um meine gesamte Fahrrad-Elektronik - vom Motor abgesehen -über diese neue Powerbank zu betreiben.

Tag 1: Hardware auf Gepäckträger

Meine Idee war, die ganze neue Hardware auf einer kleinen Box auf dem Gepäckträger zu verstauen. In der Werkstatt der Toolbox Bodensee e.V. habe ich begonnen, mein Vorhaben umzusetzen. Als Holz nutzte ich ein Restholz, das ich im OBI für einen Euro ergattert habe. Da dieses Brett relativ dünn war, habe ich kleine Holzklötzchen zugesägt und diese als Verbinder für die Seiten- und Bodenteile verwendet. Bis die Box grob fertig war, verliefen die Arbeiten gut und zügig.

Das Bodenbrett auf meinem Gepäckträger
Der Boden und Deckel meiner Gepäckträger-Box
Die erste Seite meiner Gepäckträger-Box
Die zweite Seite meiner Gepäckträger-Box

Leider war die darauf folgende Montage der zwei Kameras äußerst schwierig, sodass ich nach einigen Stunden Herumprobieren meine Idee verworfen habe, zwei Kameras für zwei Rückspiegel zu verwenden und nur eine einzige Kamera in der Mitte verbaut habe. Eine der zwei von der Biker-Kamera bereitgestellten Kameras bleibt somit unbenutzt. Zu diesem Zeitpunkt war es übrigens etwa 23:30 Uhr und ich schon weit hinter meinem Zeitplan - außerdem musste ich noch etwa 24 Kilometer mit dem noch nicht wieder fahrtauglichen Fahrrad von Markdorf nach Weingarten fahren.

Ich hastete also weiter, bohrte Löcher für die Montage der Gepäckträger-Box. Diese habe ich mit einigen Kabelbindern an meinem Gepäckträger befestigt. Außerdem habe ich auch der Oberseite ein paar Löcher verpasst um meine Satteltasche dort zu verankern. Alle Kabel habe ich in einem dafür gekauften Kabelschlauch verstaut, den ganzen Aufbau dann mehr oder weniger gut zusammengeschraubt und mich letztlich um etwa 00:30 Uhr auf den Heimweg und die erste Probefahrt zu machen.

Die Kamera in meiner Gepäckträger-Box
Löcher für meine Satteltaschen in meiner Gepäckträger-Box
Die Powerbank in meiner Gepäckträger-Box
Das LCD-Display auf dem Lenker meines E-Bikes

Tag 2: Polishing und Klingel-Umbau

Die erste Probefahrt war zwar erfolgreich und ich konnte den Vorteil der Kamera auch bei meiner ersten Nachtfahrt nutzen. Trotzdem war ich mit meiner Lösung noch nicht ganz zufrieden, denn an meinem Fahrrad hing noch eine weitere Powerbank für meine superhelle Frontleuchte die ich aufgrund eines fehlenden Kabels am ersten Tag nicht an die neue Powerbank klemmen konnte. Außerdem war der Kabelschlauch nicht sonderlich schön verlegt.

Zuerst habe ich das 12-Volt-Kabel, das nur an die Biker-Kamera führte, mit Hilfe eines viel zu großen Lötkolbens so umfunktioniert, dass ich am selben Kabel auch meine superhelle Frontleuchte betreiben konnte. Nach einer vorhergehenden Recherche habe ich berechnet, dass das für den von der Powerbank gelieferten 12-Volt-Ausgang in der Summe kein Problem darstellen sollte.

Dann hatte ich leider die Idee, meine elektronische Fahrradhupe aufgrund ihrer Lautstärke ebenfalls in meiner neuen Gepäckträger-Box zu verstauen. Hierzu musste ich allerdings das zu kurze Kabel verlängern und trennte es kurzerhand durch. Zu meinem Entsetzen stellte ich aber fest, dass die verwendeten Kabel unfassbar dünn waren und schon beim Abisolieren gerissen sind. Die Hupe musste also komplett neu verkabelt werden.

Ich verlegte meinen Arbeitsplatz vom Keller in die wärmere Wohnung und zerlegte also die komplette Fahrradhupe in ihre Bestandteile. Der schöne Nebeneffekt war, dass ich so einen der zwei Knöpfe, der eigentlich für das Wechseln des Hup-Tones gedacht ist, für meinen Garagenöffner zweckentfremden konnte. Das spart etwas Platz am Lenker und ich wechsle nicht mehr ständig aus Versehen den Ton während der Fahrt.

Meine Gepäckträger-Box vor dem Umbau
Unser Keller muss als Mini-Werkstatt herhalten
Ich beim Verlöten meiner Fahrrad-Klingel
Die Fahrradklingel neu verlötet

Als das erledigt war, konnte ich endlich alle Kabel sauber zusammenführen und anschließend verlegen. Um den Kabelschlauch möglichst eng legen zu können, habe ich zuerst alle Kabel sinnvoll zusammengelegt und mit Kabelbindern fixiert. Auch in der Gepäckträger-Box habe ich die Klingel mit Heißkleber fixiert und alle Kabel anschließend Schicht für Schicht in einer sinnvollen Reihenfolge möglichst platzsparend verlegt.

Den Kabelschlauch habe ich anschließend über die am Rahmen vorhandenen Führungen mit Kabelbindern fixiert und so angebracht, dass beim Lenken kein Kabel reißt. Da ich an der Powerbank letztlich sogar noch einen USB-Ausgang frei hatte, konnte ich auch noch die Fahrradhupe mit Dauerstrom versorgen und alles zusammenschrauben. Die gesamte Hardware passt gerade so in die Box, über deren Größe ich mir im Vorfeld natürlich keine Gedanken gemacht hatte.

Der Taster meiner Hupe neu verkabelt
Alle Kabel noch nicht verlegt
Ein Teil der Hardware in meiner Gepäckträger-Box
Die fertige Gepäckträger-Box

Fazit

Ich bin zufrieden. Der Umbau hat zwar sehr viel länger gedauert, als ich das zu Beginn gedacht habe, dafür fahre ich aber nur noch eine zusätzliche Powerbank durch die Gegend und habe außerdem den nutzlosen Hupen-Knopf gegen meinen Garagenöffner getauscht, was ich sehr praktisch empfinde.

Das Bild der Kamera ist vor allem am Tage und bei höherem Verkehrsaufkommen sehr nützlich. So weiß ich immer, wenn mich ein Auto überholt oder ob ich gerade selbst zum Überholen ausscheren kann, ohne mich dafür umdrehen zu müssen. Ich kann also aufmerksamer und sicherer Fahrrad fahren. Zugeben muss ich aber, dass man sich vom Display auch nicht ablenken lassen darf.

Außerdem könnte ich sogar noch eine Speicherkarte in die Dashcam einlegen, die Frontkamera tatsächlich am Vorderteil meines Rades installieren und meine Fahrt dauerhaft dokumentieren.

Foto: Der Blick auf den Lenker
Foto: Der Blick auf den Lenker

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